top998px
start inhalt faq konta impr

Wirtschaftswachstum - Illusionen, Fluch und Manipulation

Die Regierungsparteien fordern immer mehr Wirtschaftswachstum. Jedes Jahr, und immer möglichst viel. Die meisten Wähler glauben dieser Heilsversprechung. Grund genug, das Thema selbstdenkend zu hinterfragen.

Übersicht:

  1. Wir basteln uns ein Wirtschaftswachstum
  2. Der Zwang zu wachsen, Teil 1: Die Umverteilung von unten nach oben durch Zinsen
  3. Der Zwang zu wachsen, Teil 2: Der Wettlauf zwischen Produktivitätssteigerungen und überflüssigen Arbeitsplätzen
  4. Der Zwang zu wachsen, Teil 3: Die Bevölkerungsexplosion
  5. Technologischer Fortschritt kauft lediglich Zeit
  6. Schneeballsysteme
  7. Kein Umsatzwachstum ohne steigende Kaufkraft
  8. Natürliches Wachstum
  9. Wann ist ein Markt gesättigt?
  10. Energie, Flächen, Verkehr
  11. Rohstoffe, Nachhaltigkeit und 100%iges Recycling
  12. Eine Frage von Geld und Grips

1. Wir basteln uns ein Wirtschaftswachstum


Was ist eigentlich Wirtschaftswachstum? Laut Definition eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), vielen Bürgern besser bekannt unter dem alten Begriff "Bruttosozialprodukt". Die Bemessung erfolgt rein quantitativ. Je mehr, desto besser - egal wovon. Das BIP ist aus mindestens fünf Gründen irrelevant:

Erster Grund ist die fehlende Berücksichtigung der Qualität. Das Wirtschaftswachstum steigt, wenn mehr Geld umgesetzt wird. Aber wofür wird es umgesetzt? Wer seine Eltern ins Altersheim abschiebt, steigert den Umsatz im Bereich Pflegedienstleistungen und damit das BIP. Benzin, das wir im Stau verschwenden, zählt ebenso als Wirtschaftswachstum wie Rüstungsausgaben (jährlich 1 Billion $, davon allein in den USA über 400 Mrd. $). Spekulativen Blasen auf den Finanz- und Immobilienmärkten, Kampftrinken, Verkehrsunfälle, Erkrankungen, Ehescheidungen, Instandsetzungen nach Naturkatastrophen, höhere Heizkosten in einem harten Winter, Geldverscwendung im Staatshaushalt - all dies wirkt "positiv" auf das Wirtschaftswachstum.
Kauft sich ein Milliardär seinen dritten Ferrari für 200.000 €, der nutzlos in der Garage steht, trägt er damit doppelt so viel zum BIP bei wie das
Kinderprojekt Arche, wenn es für 100.000 € in ihren Armenküchen 50.000 warme Mahlzeiten an Kinder verteilt. Was hat mehr Gewicht für unsere Gesellschaft? Ein nutzloser Ferrari oder 50.000 gesättigte Kinder?

Zweiter Grund ist die Manipulation des BIP, u.a. durch die reichlich willkürliche hedonische Preis-/Leistungsbewertung. Siehe "Wohlstand durch Buchführung" von Lothar Komp.

Drittens basiert das BIP auf Stichproben, die erstens weitaus zu grob und zweitens nicht repräsentativ sind. (mehr)

Viertens ist das BIP eine bloße Elfenbeimturm-Phantasiezahl, die nicht einmal die Inlandsumsätze berücksichtigt. 2007 lag das BIP in Deutschland bei 2,423 Billionen € - und gleichzeitig allein die umsatzsteuerpflichtigen Inlandsumsätze bei  5,148 Billionen € (siehe Pressemitteilung Nr. 105/2009 des Statistischen Bundesamts). Hinzu kommen die Umsätze, die nicht umsatzsteuerpflichtig sind (z.B. medizinische Leistungen, Pflegeleistungen, Kultur, Bildung, etc.) sowie wirtschaftliche Leistungen, die erbracht, aber überhaupt nicht bezahlt werden (Hausarbeit, ehrenamtliche Arbeit, etc.), sowie der Exportüberschuß. Würde man die tatsächlichen Leistungen finanziell umrechnen und addieren, läge das BIP in Deutschland bei rd. 9 Billionen €.

Fünftens ist auch die internationale Vergleichbarkeit kein Argument, weil jede nationale Statistikbehörde sein BIP anders definiert und zudem eine Messung nicht dadurch relevant wird, daß alle auf irrelevante Art messen.

Wie sinnlos und fehlerhaft das BIP ist, wie man das Wirtschaftswachstum manipuliert und welche Alternativen es gibt, analysiert Jonathan Rowe in "Aufwärts ist abwärts". Äußerst lesenswert!


2. Der Zwang zu wachsen, Teil 1:
Die Umverteilung von unten nach oben durch Zinsen


Unser heutiges Wirtschaftssystem muß aus zwei Gründen immer weiter wachsen.

Erstens verlangen die Kapitalbesitzer eine Verzinsung ihres Vermögens von weltweit über 700 Billionen $. Der Rest der Welt arbeitet u.a., um diese Zinsen zu erwirtschaften.
Während die Regierungsparteien die Vermögenssteuer, die Erbschaftssteuer und die Einkommensteuer als "sozialistische Umverteilung von oben nach unten" und Ausdruck einer "Neidgesellschaft" ablehnen, findet in der Realität genau das Gegenteil statt - die Umverteilung von unten nach oben. Hier liegt die Hauptursache dafür, daß die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander reißt und unsere Gesellschaft zerstört. In der Geschichte der Menschheit ist ausnahmlos jeder Staat kollabiert, in dem die Ungleichheit zu groß wurde und die breite Mehrheit der Bevölkerung das nicht mehr hinnahm.

Die Wirtschaft ist also gezwungen, zu wachsen, um die Zinsen für die Kapitalbesitzer zu erwirtschaften, was widerum noch mehr Kapital bei der kleinen Schicht der Kapitalbesitzer anhäuft, was widerum nich mehr Zinsen fordert, usw.
Da der Kollaps durch diese immer ungerechtere Verteilung immer nur eine Frage der Zeit ist, liegt es auch im Interesse der Reichen, daß der Rest der Bevölkerung nicht arm ist.

Das Bandbreitenmodell ist das bisher einzige Konzept, das dieses Problem lösen kann, und zwar durch die faire Teilhabe aller Menschen am Wohlstand.



3. Der Zwang zu wachsen, Teil 2:
Der Wettlauf zwischen Produktivitätssteigerungen und überflüssigen Arbeitsplätzen


Zweitens muß die Wirtschaft wachsen, um die ewigen Produktivitätssteigerungen zumindest einigermaßen auszugleichen. Produktivitätssteigerungen bedeuten u.a., daß zur Produktion von Gütern/Leistungen immer weniger Menschen erforderlich sind. (
mehr)

Während z.B. die weltweite Industrieproduktion von 1995 bis 2002 um 30% stieg, wurden 11% aller Industriearbeitsplätze überflüssig. Im Jahr 2003 waren in Deutschland 9 Arbeiter so produktiv wie 10 Arbeiter nur 2 (!) Jahre zuvor. 1991 war für 45% aller Deutschen die Erwerbsarbeit die wichtigste Einkommensquelle. Bereits 2002 waren es lt. Statistischem Bundesamt nur noch 40%. 2005 ernährten nur noch rd. 32% Erwerbstätige die übrigen 68% der Bevölkerung. Siehe auch "Hauptursachen der Arbeitslosigkeit".

Dieser Trend läuft weiter, so lange es den technischen Fortschritt gibt – also immer. Mit Produktivitätsstei- gerungen die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen ist ebenso kontraproduktiv wie ein Feuer mit Benzin zu löschen.

Nur das Bandbreitenmodell kann dieses Problem lösen, und zwar durch die Dosierung der Produktivität. (mehr)


4. Der Zwang zu wachsen, Teil 3:
Die Bevölkerungsexplosion

  1. Je unterentwickelter ein Land ist, desto höher ist grundsätzlich (nicht mathematisch exakt, jedoch als Zusammenhang deutlich) die Geburtenrate. Dies liegt u.a. an der Kindersterblichkeit und dem fehlenden sozialen Netz. Kinder sind oft die einzige Altersversorgung, und viele von Ihnen überleben die Armut nicht. Der wahrscheinlich größte Skandal in der Geschichte der Menschheit liegt darin, daß u.a. jedes Jahr weltweit über 5 Mio. Kinder unter 5 Jahren an den Folgen von Armut sterben. An Hunger, behandelbaren Krankheiten oder Bürgerkriegen um Rohstoffen. Wir, die Menschen in den wohlhabenden Industrienationen, haben die Möglichkeit, dies zu beenden. Stattdessen stecken wir 45 mal so viel in die Rettung von Spekulanten wie in Hungerbekämpfung.(siehe Punkt 5).
  2. Umgekehrt fällt auf: Je höher die ökonomische Entwicklung eines Landes ist, desto geringer ist grundsätzlich die Geburtenrate. Dies liegt ebenfalls zum Teil am sozialen Netz. In ökonomisch starken Ländern brauchen Ruheständler grundsätzlich keine direkte Versorgung durch ihre Kinder.
    Ein zweiter Grund ist die Tatsache, daß (im jetzigen System!) für ökonomische Stärke ein hoher Preis gezahlt werden muß: Die Unterordnung der Menschen unter die Wirtschaft, die eine immer weiter steigende Flexibilität von den Arbeitnehmern fordert (sinkende Löhne, längere Arbeitszeiten, längere Wege zur Arbeit, etc.). Das System in Deutschland (Geburtenrate: rd. 4 Kinder auf 6 Erwachsene) und den anderen Industrienationen (z.B. Singapur: weniger als 1 Kind auf 2 Erwachsene) verhindert Familienbildungen so stark, daß die Bevölkerung immer weiter schrumpft. 
Das Wirtschaftssystem der ökonomisch starken Länder 1:1 auf die gesamte Welt zu übertragen, kann also nicht die Lösung sein. Die Lösung liegt im Wohlstand für sämtliche Menschen auf der Welt, in einem ökologisch 100%ig nachhaltigen System (siehe unten, Punkt 11).

Dies ist eines der am schwierigsten zu lösenden Probleme der Welt. Unmöglich ist es definitiv nicht. Das Haupthindernis liegt im politischen Widerstand derjenigen, die ein Interesse am Status Quo haben. Weitere Infos in nächster Zeit vom Autor des Bandbreitenmodells, der derzeit an der Recherche und Ausformulierung eines neuartigen Konzeptes hierzu arbeitet.


5. Technologischer Fortschritt kauft lediglich Zeit


Viele "Experten" glauben, der technologische Fortschritt  - vor allem in der Landwirtschaft - könne das Problem der Überbevölkerung lösen. Aber wie soll Technologie einen unendliches Bevölkerungswachstum ausgleichen? Wie soll die Technologie 20 Milliarden Menschen ernähren? Oder 50 Milliarden Menschen? Mit welchen Flächen? Mit welcher Energie?

Tatsächlich kann der technologische Fortschritt lediglich etwas Zeit kaufen - womit wir beim nächsten Stichwort wären - dem Kaufen. Wer soll die Technologie bezahlen, die Milliarden von Menschen aus extremer Armut und Hunger befreien soll? Welche Prioritäten die Regierungsparteien der reichsten Nationen haben, zeigt ein Zitat aus der
taz vom 20.03.2009:
"Zur Rettung der Spekulanten haben die Industriestaaten binnen eines halben Jahres 45-mal so viel Geld mobilisiert, wie bislang zur Armutsbekämpfung und für den Klimaschutz insgesamt ausgegeben wurde", sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von "Brot für die Welt". Darin enthalten sind auch Spekulanten, die mit steigenden Preisen für die Nahrungsmittel der ärmsten Menschen der Welt spekulieren. Statt diese Personen wegen vorsätzlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen, bekommen sie noch Geld und Bürgschaften von unserer Regierung.

Verheerend ist auch die Rolle von genmanipuliertem, "Terminator"-Saatgut (das so konstruiert ist, daß es nur 1 einziges mal Früchte trägt und dann nicht mehr als Saatgut verwendet werden kann, so daß die Landwirte auf ewig abhängig von teurem, patentieren Saatgut bleiben). Dabei geht es lediglich um den Patentschutz von Profiten. Das Problem ist heute nicht, daß es zu wenig Nahrung gibt, sondern daß mehrere Milliarden Menschen zu wenig Geld besitzen, um die zu hohen (und steigenden) Preise zu zahlen. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung verfügt über weniger als 2 Dollar am Tag. Das Geschäftsmodell bei patentgeschütztem Gensaatgut basiert darauf, die Preise sogar noch weiter zu erhöhen. Wie sollen steigende Preise gegen Hunger helfen? Zudem ist das menschliche Herumbasteln selbstüberschätzender Konzerne am komplexen Wirkungsgefüge der Natur absolut verantwortungslos.

Wachstum durch ewigen Fortschritt ist gerade bei unverzichtbaren Produkten wie Lebensmitteln unmöglich (Genmanipulation ist keine Verbesserung, und es ist auch niemand bereit, für genmanipulierte Lebensmittel mehr zu zahlen als für Bio-Lebensmittel). Auch bei Möbeln sind keine nennenswerten Verbesserungen möglich: Ein Schrank von 2010 hat keinen nennenswerten Mehrwert gegenüber einem Schrank von 1980. Ein Stuhl bleibt ein Stuhl. Bei Bekleidung gibt es praktisch keine relevanten Innovationen, sondern lediglich Variationen des immer Gleichen. Ein Buch bleibt ein Buch, ein Stift ein Stift, eine Dachrinne eine Dachrinne. Bei Dienstleistungen sind fast nirgends Innovationen möglich: Ein Haarschnitt bleibt ein Haarschnitt, 1 Stunde Putzen bleibt eine Stunde Putzen, eine Stunde Unternehmensberatung von 2010 ist nicht besser als eine von 1990. "Innovationen" bei Dienstleistungen und Handel führen meist zu schlechteren Arbeits- bedingungen und sinkenden Löhnen - und damit gesamtwirtschaftlich zu weniger Wachstum (siehe 7.)

Die meisten technischen Produkte sind so weit ausgereizt, daß Innovationen kaum noch zu Mehrwert für die Kunden führen. Ein 1970er Jaguar E-Type bietet zweifellos einen höheren Fahrspaß als ein 2010er Audi TT. Ein Golf 6 ist fast identisch mit einem Golf 5. Der zwanzigste Airbag erhöhrt die Sicherheit nicht. Nassrasierer mit 20 Klingen rasieren nicht nennenswert besser als 2 Klingen. Teilweise laufen Innovationen auch bei technischen Produkten rückwärts: Z.B. die vielzitierte MP3-Musik führt zu Umsatz-/Wachstumsverlusten und hat obendrein eine schlechtere Qualität als Musik auf Vinylplatten.


6. Schneeballsysteme

Ein, System, das wachsen muß, damit es nicht kollabiert, nennt die Kriminalpolizei Schneeballsystem. Unser Wirtschaftssystem ist ein solches Schneeballsystem, das spätestens dann kollabieren muß, sobald es nicht mehr wächst.

Die Regierungsparteien ignorieren diese offensichtliche Fehlkonstruktion nicht nur - sie steigern das Problem sogar, in dem sie mit Ihrer Politik vor allem auf Wachstum setzen. Sie betrachten Wachstum als Lösung und Ziel, ohne je ernsthaft darüber nachgedacht zu haben, was sie damit eigentlich bewirken.


7. Kein Umsatzwachstum ohne steigende Kaufkraft

Mengenmäßiges Wachstum verschlingt grundsätzlich immer mehr Flächen und Energie (siege 10.) sowie Rohstoffe (siehe 11.). Theoretisch wäre ewiges Wachstum möglich, wenn nicht die Quantität, sondern die Qualität wächst und dies bei gleichen Mengen zu höheren Umsätzen führt. Anders ausgedrückt: Unternehmen lassen sich immer bessere Produkte teurer bezahlen.

Dabei gibt es allerdings einen Haken:
Die realen Einkommen (Löhne, Gehälter, Renten, ALG 2) sinken, weil sie - wenn überhaupt - geringer steigen als die Preise. Da die Einkommen sinken, sinkt die Kaufkraft. Bei sinkender Kaufkraft ist kein Umsatzwachstum möglich.

8. Natürliches Wachstum


Wie wir oben begründeten, ist Wachstum nicht zwangsläufig gut. Es ist aber auch nicht zwangsläufig schlecht. Es gilt, das richtige Maß für Wachstum zu erkennen und als Maßstab zu nehmen.

Gerade mit dem Wachstum des Konsums tun sich viele Menschen schwer. Bedeutet mehr Konsum nicht auch mehr Müll, mehr Energieverbrauch, mehr Rohstoffverbrauch, mehr Platzbedarf und mehr Verkehr?
Ja, aber mehr Konsum bedeutet auch mehr Umsätze für Unternehmen, mehr Wertschöpfung, mehr Arbeitsplätze, höhere Gehälter und mehr Wohlstand. Die optimale Grenze des Wachstums liegt im optimalen Kompromiß zwischen diesen Auswirkungen.

Das beste Vorbild und die Antwort auf die Frage, welches das richtige Maß für das Wachstum z.B. einer Volkswirtschaft, eines Unternehmens, ein Staates oder des Konsums wachsen soll, ist - wie in so vielen Dingen - die Natur:
Übertragen wir die Ansicht "so wenig Wachstum wie möglich" auf einen Baum. Es ist unnätürlich, einen Baum am Wachstum zu hindern und seine Äste immer und immer wieder zu beschneiden. Ein Bonsai-Baum mag dekorativ aussehen, aber er kann keine Früchte tragen und keine Menschen ernähren.
Ein gesunder Baum, der auf einem nährstoffreichen Boden steht und Licht, Luft, Wasser und  erhält, wird von ganz allein wachsen. Und zwar so lange, bis er seine optimale Größe erreicht hat.

Übertragen wir ebenfalls die Ansicht "unbegrenztes, ewiges Wachstum" auf einen Baum. Ein solcher Baum wird in jungen Jahren enorme Vorteile bieten - bis er schließlich so hoch wächst, daß die Wurzeln ihn weder versorgen noch seiner Masse in Stürmen Halt bieten kann.

Ganz offensichtlich ist zu großes Wachstum ebenso sinnlos wie zu geringes Wachstum. Es gilt also, ein gesundes, natürliches Wachstum zu realisieren. Das Bandbreitenmodell bedeutet den nährstoffreichsten Boden, die sauberste Luft, das reichhaltigste Wasser und das energiereichste Licht für den Baum des gesündesten Wirtschaftswachstums.


9. Wann ist ein Markt gesättigt?

10. Energie, Flächen, Verkehr


Was wäre, wenn alle Menschen (wenn sie wollen) alle ihre Konsumwünsche erfüllen könnten? Ganz im Sinne Dietrich Dörners "
Die Logik des Misslingens" wäre dies ein klassisches Beispiel für die Lösung eines Problems (Mangel an Kaufkraft), das dadurch andere, ganz erhebliche Probleme schafft - nämlich den ultimativen Verbrauch von Energie, Flächen, und Rohstoffen, sowie eine Zunahme des Verkehrs. Die Frage ist also: Wie lassen sich die Nachteile des Wachstums vermeiden?

Sicher nicht dadurch, daß man den Menschen das Recht auf Wohlstand verweigert. Weltweit leben rd. 3 Mrd. Menschen von weniger als 5 $ am Tag. Wer will diesen bitterarmen, Hunger leidenden Menschen ihr natürliches Recht verwehren, so zu leben wie wir? Das Wachstumsproblem ist also in fast allen Teilen der Welt weitaus gravierender als in Deutschland. Folglich müssen weltweite Lösungen umgesetzt werden.

Im Falle des Energieverbrauchs ist die Lösung einfach. Wenn die Energie zu 100% aus regenerativen, emissionsfreien Quellen stammt, entsteht keine nennenswerte Umweltbelastung. Wie das finanzierbar ist, lesen Sie hier.

Der Flächenverbrauch ist ebenfalls ein lösbares Problem. Es bedarf lediglich Geld, um bisher ungenutzte Flächen in einem ökologisch verträglichen Rahmen nutzbar zu machen. Sei es z.B. für die Bewässerung  der Landwirtschaft in Steppenregionen, massenhaft Tiefgaragen in urbanen Regionen, Strom- und Wassernetze, etc.

Das BBM rediziert das Verkehrsaufkommen durch wesentlich kürzere Wege zur Arbeit (Flexibilisierung zu Lasten der Arbeitnehmer wird umgekehrt), weniger Arbeitstage,  die Finanzierbarkeit eines vollkommen kostenlosen öffentlichen Personenverkehrs und weitaus weniger Langsteckentransporte (regionale Verknüpfung von Umsatz und Beschäftigung).


Bleibt als letztes, lösbares Problem der Rohstoffverbrauch:


11. Rohstoffe, Nachhaltigkeit und 100%iges Recycling


Beim heutigen Rohstoffverbrauch gilt die Faustformel: Wir verbrauchen heute so viel Rohstoffe, als stünden uns 3 Planeten Erde zur Verfügung. Wobei selbst 10 Planeten Erde das Problem des Rohstoffverbrauchs nur vermindern, aber nicht lösen könnten.

Je stärker die Wirtschaft (vor allem in China, Indien und dem Rest der Welt) wächst, desto stärker steigt der Verbrauch. Der Rohstoffabbau läßt sich jedoch bei Weitem nicht so steigern wie die Nachfrage. Lange, bevor die letzten Öl-, Gas, Uran-, Coltan-, Kupfer-, Aluminium-, und sonstige wichtige Reserven aufgebraucht sind, werden sie unbezahlbar. Der Kollaps unseres Wirtschaftssystems ist also ein zwangsläufiges Resultat - sofern das System so bleibt, wie es konstruiert ist.

Das Problem liegt im völlig unzureichenden Recycling und verschwenderisch konzipierten Produkten. Viel zu viele Abfälle landen in Müllverbrennungsanlagen, auf Deponien oder in Flüssen und Meeren. Viele geringe Abfall-Einzelmengen (Beispiel: Aluminium als Verpackung von Schokolade oder dünne Aluminium-Schicht in Milchtüten) summieren sich zu großen Mengen, weil es sich im heutigen System finanziell nicht lohnt, sie zu trennen und Energie in die Rückgewinnung zu investieren.

Das Bandbreitenmodell bietet die
finanziellen Mittel, um das Problem zu lösen. Genügend saubere Energiequellen (vor allem in der Geothermie und der neuesten Generation der Photovoltaik) sowie Speichertechnologien sind damit erschließbar. Fehlt nur noch der politische Wille. Technisch ist 100%iges Recycling kein Problem, sondern nur eine Frage des Einsatzes von vorhandenen mechanischen, chemischen und elektrochemischen Trennungsprozessen sowie "Cradle to Cradle"-Konzepten. Man muß nur das "Cradle to Cradle"-Konzept verpflichtend einführen, also Produkte und Verpackungen (von der Milchverpackung bis zum Airbus) so konzipieren, daß sie erstens möglichst einfach und kostengünstig demontiert/getrennt und wiederverwertet werden können, und daß sie zweitens möglichst aus Stoffen bestehen, die biologisch abbaubar sind (Beispiel: Abrieb von Bremsbelägen) - und damit Teil des natürlichen Kreislaufs.

12. Eine Frage von Geld und Grips