So niedrig sind die Renten tatsächlich
"Es ist weniger, als wenn es
mehr wäre."
Olaf Scholz, Bundesminister für Altersarmut und Sozialabbau,
im März 2008, als Kommentar zu weiteren Rentenkürzungen
Olaf Scholz, Bundesminister für Altersarmut und Sozialabbau,
im März 2008, als Kommentar zu weiteren Rentenkürzungen
Zur Rente kursieren viele Zahlen. Viele davon sind falsch. Andere haben nichts mit der Realität zu tun (siehe z.B. "Eckrentner"). Diese Fakten sollten Sie kennen, bevor Sie eine der Rentenkürzungsparteien wählen:
1. Altersarmut - bereits weit verbreitet
Laut Rentenversicherungsbericht 2006 des Deutschen Bundestags (Drucksache 16/3700, 2.2., S. 11) erhalten die Rentner in Deutschland folgende Renten:
| Durchschnitt aller Rentner | 971€ |
| Männer, neue Bundesländer | 1.006€ |
| Männer, alte Bundesländer | 962€ |
| Frauen, neue Bundesländer | 660€ |
| Frauen, alte Bundesländer | 477€ |
Dies sind die Zahlen, die die Regierungsparteien selbst nennen. Wenn man bedenkt, daß die offizielle Armutsgrenze 2003 in Deutschland mit 856 € monatlich definiert ist, leben also die weiblichen Durchschnittsrentner unter der Armutsgrenze, die männlichen Durchschnittsrentner knapp darüber.
Und mit den Preissteigerungen steigt die Armutsgrenze stärker als die Renten. Die Armut holt also früher oder später immer mehr fast alle Rentner ein.
Hinzu kommen weitere Einkommensarten wie Betriebsrenten (durchschnittlich 74 € pro Rentnerhaushalt), Lebensversicherungen und Einkünfte aus Vermietungen. Dabei liegt es allerdings in der Natur der Sache, daß gerade die Menschen mit niedrigen Renten keine nennenswerten Betriebsrenten oder Lebensversicherungen besitzen (die man als Arbeitsloser ohnehin verkaufen muß, bevor man Hartz IV erhält). Auch Einkünfte aus Vermietungen haben die Niedrigrentner praktisch nie. Bezieher von Niedrigeinkommen beziehen immer Niedrigrenten und haben so gut wie nie weitere Alterseinkünfte.
Trotz der amtlichen festgestellten Altersarmut meinen die Regierungsparteien, die Zahl der Armutsrentner sei kein nennenswertes Problem, weil nur sehr wenige Rentner "Grundsicherung im Alter" beziehen. Dies liegt jedoch zum Großteil an der Scham der Armutsrentner, Grundsicherung zu beantragen. Zudem wissen viele Armutsrentner nichts von der Möglichkeit, durch die Grundsicherung auf das Armutsniveau von Hartz IV aufzustocken. Weitere Gründe für die versteckte Armut liegt im Unterhalt durch die Kinder sowie der Tatsache, daß es in Seniorenheimen nicht auffällt, weil dort bis auf ein kleines Taschengeld bei jedem Bewohner die Rente beschlagnahmt wird.
Gemeinsam mit der Rente des Ehemannes leben viele Frauen noch in einem bescheidenen Wohlstand. Stirbt der Ehemann, folgt meist der Absturz in die Altersarmut:
2. Die Verteilung der Renten bei Frauen
Die nachfolgende Grafik zeigt, wie die Renten (incl. Witwenrenten) der weiblichen Rentner verteilt sind. Wie man sieht, erhalten die meisten Frauen Armutsrenten. Frauen, die ihre Karriere der Familie bzw. der Karriere des Ehemannes opfern, werden vom heutigen Rentensystem bitter bestraft.
Fakt ist: Fast 1 Mio. Frauen erhalten eine monatliche Rente von unter 150 €, die größte Gruppe sind die knapp 1,9 Mio Rentnerinnen mit einer Rente von 600-750 €:
Rentenverteilung, weibliche
Rentner, Juli 2005

3. Die Verteilung der Renten bei Männern
Die nachfolgende Grafik zeigt, wie die Renten der männlichen Rentner verteilt sind. Wie man sieht, ist das Rentenniveau der Männer zwar bescheiden, aber (aufgrund ihrer höheren Erwerbstätigkeit) deutlich höher als bei den Frauen. 412.000 männliche Rentner (meist Selbständige) haben im Laufe ihres Lebens so wenig verdient, daß sie monatlich unter 150 € Rente erhalten. Unter der Armutsgrenze von monatlich 856 € liegen rd. 3 Mio. Männer, viele nur knapp darüber.
Rentenverteilung,
männliche Rentner, Juli 2005

Quelle: Bundesministerium
für Arbeitslosigkeit und Sozialabbau
