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Das bedingungslose Grundeinkommen / BGE 2.0


Ein bedingungsloses Grundeinkommen / BGE einzuführen wird immer dringender, sofern es problemlösend, mehrheitsfähig und umsetzbar ist - wie das bedingungslose Grundeinkommen / BGE 2.0. Welche Probleme kann und soll es lösen?

Profitmaximierung durch Rationalisierungen, Automation, globale Kostenkonkurrenz und Mismatch sind nicht nur die Hauptursachen für steigende Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne. Das "Reserveheer" arbeitsloser Menschen, die Erwerbsarbeit suchen, ist auch ein Druckmittel auf Arbeitsplatzbesitzer, schlechtere Arbeitsbedingungen (sinkene Einkommen, steigende Arbeitszeiten, steigender Druck, weitere Wege etc.) zu akzeptieren.

Als Antwort auf Arbeitslosigkeit und zu geringe Einkommen denken
Philosophen seit Jahrhunderten über ein bedingungsloses Grundeinkommen nach. Im Gegensatz zum unmenschlichen "wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" gestatten die Menschenfreunde jedermann ein Recht auf ein menschenwürdiges Einkommen zu, ohne dies mit einem Zwang zur Arbeit zu verknüpfen. Das ist ein Anfang, aber nicht genug. Denn es ist nur eine Symptombehandlung, und es ist gefangen in einer Zwickmühle: Entweder ist es so niedrig, daß man davon nicht menschenwürdig leben, sondern nur gerade eben überleben kann. Oder es ist so hoch, daß man davon anständig leben kann - aber dann ist es vollkommen unfinanzierbar bzw. begleitet von Preiserhöhungen (durch Mehrwertsteuererhöhungen) und/oder Einkommensteuererhöhungen, die es wieder zunichte machen.

Bundestag-BGE-Demo-Petition-Susanne-Wiest
Vor dem Bundestag, anlässlich der Petition von Susanne Wiest 2010

Was ist das Grundeinkommen 2.0?

Es ist ein Teil des "Bandbreitenmodells" (BBM) und beseitigt die Ursachen der Arbeitslosigkeit und Niedrigeinkommen. Im BBM ist eine Mindestproportion gut bezahlter Angestellter die Grundvoraussetzung für Unternehmen, um überhaupt Geschäfte machen zu können ( siehe "Kurzversion"). Wie das konkret aussieht, zeigen Seite 5 (Mindesteinkommen) und Seite 6 (voraussichtliche Durchschnittseinkommen) der Präsentation "BBM aus Unternehmersicht".

Das BBM beinhaltet 4 Beschäftigungsmodelle:
  1. Vollzeitarbeitnehmer
  2. Teilzeitarbeitnehmer
  3. Auszubildende
  4. "Abwesende Arbeitnehmer"
Das 4. Modell ist das Grundeinkommen 2.0: Die "abwesenden Arbeitnehmer" sind Menschen, die nicht arbeiten und von den Unternehmen als Steuersparmodell ein Gehalt beziehen. Für Unternehmen lohnt es sich, weil sie ohnehin nicht mehr Arbeitnehmer benötigen als heute. Zudem sind "abwesende Arbeitnehmer" die billigste Art, die Gehaltslisten mit Gehaltsempfängern zu füllen, die man im BBM unbedingt benötigt, um Geschäfte machen zu können (siehe oben).

Das BGE 2.0 bedeutet:
Wie sehr sich das auch für Unternehmen lohnt, lesen Sie hier.

BGE-Demo-Berlin-2010-Petition-Susanne-Wiest
Keine Sorge, "Merkel-Wähler": Deutschlands regierungsparteien bleiben ratlos und beratungsrestent!

Vergleich mit anderen Modellen


Gegner jedes Grundeinkommens-Modells argumentieren, daß die Menschen nur arbeiten, wenn man sie dazu zwingt. Welch ein erbärmliches Menschenbild! Darauf gibt es zwei Antworten (nachfolgende Punkte 1 und 2):

1. Das Streben nach Glück

Erstens würden sehr viele Menschen auch dann arbeiten wollen, wenn es ein Grundeinkommen gäbe. Und zwar aus den gleichen Gründen, aus denen heute Millionen Niedriglöhner arbeiten, deren Nettoeinkommen unter (oder nur unwesentlich über) Hartz IV liegen. Rational betrachtet macht es keinen Sinn, daß diese Millionen Menschen für so wenig Geld arbeiten - und sie tun es trotzdem.

Wissenschaftler der "
ökonomische Glücksforschung
" identifizierten dafür mehrere starke Motive:
Der Neidfaktor ist das wirkungvollste Motiv. Menschen vergleichen sich mit anderen Menschen. Stellen sie fest, daß andere mehr erreicht haben, wird die Lebenssituation schwer erträglich. Darüber hinaus macht nach den Erkenntnissen der Glücksforschung nichts glücklicher, als mehr als andere zu haben. Glücklicher als ein hohes Gehalt macht ein niedrigeres Gehalt, das höher als das der Vergleichspersonen (Kollegen, Nachbarn, Freunde) ist.

Glücklicher als eine objektiv gute Liebesbeziehung macht eine schlechtere Beziehung, die besser als die Beziehungen im Freundeskreis läuft. Menschen mit Mittelklasseautos, deren Freunde Kleinwagen fahren, sind glücklicher als Mercedes-S-Klasse-Besitzer, deren Freunde Rolls Royce besitzen. Menschen, die in der 3. Welt von 5 $ am Tag leben und von gleich armen Menschen umgeben sind, sind glücklicher als Millionäre unter Milliardären.

Auf die Arbeitswelt übertragen heißt das: Wer Glück daraus schöpfen will, daß er mehr besitzt als seine Nachbarn/Freunde, muß arbeiten. Wenn seine Nachbarn/Freunde auch arbeiten, wird er noch mehr Gehalt als sie anstreben. Hier trifft der Satz besonders gut zu: Wirtschaft ist zum Großteil Psychologie.

Weitere Antworten auf typische Fragen finden Sie hier
unter Antwort 1

2. Immer mehr Arbeitnehmer werden überflüssig

Der zweite Grund, der für ein Grundeinkommen spricht: In unserem Wirtschaftssystem werden immer mehr Erwerbsfähige überflüssig. Auf Dauer braucht die Wirtschaft immer weniger Menschen, weil sie immer weiter wegrationalisiert. Jeremy Rifkin stellte fest: "Langfristig wird die Arbeit verschwinden."

Betrachten wir die Bundesrepublik. Von rd. 55 Mio. Erwerbsfähigen (dies schließt arbeitsfühige (Früh-) Rentner mit ein) haben nur rd. 25 Mio. einen echten Arbeitsplatz. Die restlichen Erwerbstätigen arbeiten in Taschengeldjobs. Rd. die Hälfte aller Erwerbsfähigen genügt also heute schon, damit die Wirtschaft produktionstechnisch bestens funktioniert. Wie die Automation eine Wirtschaft ermöglicht, die mit immer weniger Menschen Güter und Dienstleistungen produziert, lesen Sie hier.

Götz Werner
formulierte im Magazin "brand eins", Nr. 3/2005 treffend: Noch grundsätzlicher gedacht, hat die Wirtschaft zwei Aufgaben. Die eine, die betriebswirtschaftliche Aufgabe, ist es, die Menschen mit konsumfähigen Dienstleistungen und Gütern zu versorgen – das gelang noch nie so gut wie heute."
(Da brandeins ständig die Adressen seiner Webseiten ändert und Links auf diese Seite meist nur kurz funktionieren, finden Sie den Artikel auch
hier
als pdf.)


3. Grundeinkommen in der Kritik der Froschköche

Das Grundeinkommen greift die marktradikalen Froschköche an, nach deren Willen niemand unser Wirtschaftssystem infrage stellen darf und Menschen weiterhin bei möglichst niedrigen Löhnen zur Arbeit gezwungen werden müssen. Dementsprechend steht das
Grundeinkommen in der Kritik der Froschköche.

Unter "
Allgemeine Kritik
" stand z.B. bei Wikipedia die These von Professor Gerd Habermann: "Die Zahl der Arbeitsplätze hat sich durch Automatisierung vermehrt. Die Computerindustrie schuf mehr Arbeitsplätze als sie vernichtete." (mehr)
Diese Argumentation offenbart die ganze Hilflosigkeit der Gegner. Man erkennt das Problem nicht nur nicht an, sondern behauptet einfach das Gegenteil - ohne einen einzigen Nachweis für die gewagten Behauptungen.
Wie Automation Arbeitsplätze vernichtet, lesen Sie hier.

4. Grundeinkommen für Arbeitslose: bedingungsloses Hartz IV

In der TV-Sendung "Anne Will" vom 07.12.2008 glaubte Thilo Sarrazin (SPD) - ein erklärter Gegner des Sozialstaats - das
Grundeinkommen mit dem Kostenargument erschlagen zu können. Götz Werner nannte daraufhin ein Grundeinkommen von 800 €, das durch die Umsatzsteuer sehr wohl finanzierbar wäre. Bei 800 € monatlich liegt das Grundeinkommen auf gleicher Höhe wie Hartz IV (incl. Wohngeld und Heizkosten). Einziger Unterschied. Die Bedingungen und Pflichten entfallen. Das ist ein Fortschritt - allerdings keine Verbesserung für Hartz IV-Bezieher /Arbeitslose.

5. Grundeinkommen für Erwerbstätige: Kombilohn mit erwünschtem Mitnahmeeffekt

Wenn alle Angestellten eines Unternehmens vom Staat ein Grundeinkommen von z.B. 800-1.000 € erhalten - wie reagieren dann die Unternehmen? Befürworter des
Grundeinkommens argumentieren, daß damit jeder Arbeitsplatz um 800-1.000 € billiger wird, weil die Arbeitgeber dementsprechend die Löhne kürzen. Die Lohnkürzung ist sogar ausdrücklich erwünscht (siehe Frage 5 in den FAQ bei "unternimm die Zukunft").

Prof. Christoph Butterwegge schrieb dazu am 24.05.2007 in der taz / am
28.05.2007 auf den Nachdenkseiten
:

"Sowenig eine Kopfpauschale im Gesundheitssystem der unterschiedlichen finanziellen Leistungsfähigkeit von Krankenversicherten gerecht würde, sowenig eignet sich jedoch das Grundeinkommen, um die tiefe Wohlstandskluft in der Gesellschaft zu schließen. Letztlich würde es als Kombilohn für alle wirken. Weil das Existenzminimum seiner Bezieher/innen gesichert wäre, könnten diese noch schlechter entlohnte Jobs annehmen, wodurch den Unternehmen mehr preiswerte Arbeitskräfte zur Verfügung stünden und die Gewinne noch stärker steigen würden. Gleichzeitig wäre die Regierung nicht nur ihrer Pflicht zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit enthoben, sondern auch die Durchsetzung weitreichender Deregulierungskonzepte möglich." (
mehr
)

Das ARD-Magazin "Panorama" traf diesen enormen Schwachpunkt des
Grundeinkommens in seiner Sendung vom 23.09.2010 mit dem Titel "Zweifelhaftes Wirtschaftswunder: Mini-Jobs mit Maxi-Schaden". Zitat:
"Eigentlich sollen sie eine "Brücke in den ersten Arbeitsmarkt" sein - doch die Realität sieht meistens anders aus: "Minijobs sind faktisch Killer für Vollzeitjobs", sagt zumindest Professor Peter Bofinger, einer der fünf so genannten Wirtschaftsweisen. Mehr als sieben Millionen Menschen arbeiten inzwischen als 400-Euro-Kraft - und besetzen damit fast jede fünfte Arbeitsstelle in Deutschland. Der Hauptgrund für den Boom: Die vom Staat subventionierten Jobs werden vor allem als Sparmodell genutzt: weniger Steuern, weniger Sozialabgaben. Für 400-Euro-Jobs fällt keine Einkommenssteuer an, ihr Gehalt erhalten die Minijobber "brutto für netto". Für die Sozialabgaben fällt nur eine Pauschale an. Sparen durch den Minijob - das nutzen nicht nur Arbeitnehmer. Gerade in Branchen, in denen die Minijobs boomen, machen sich auch Arbeitgeber diesen Vorteil zunutze. Statt die staatliche Subventionierung an ihre Beschäftigten weiterzugeben, senken Unternehmer einfach den Stundenlohn. Panorama über eine teure Arbeitsmarktförderung - die den Falschen nutzt."

Dazu trugen beim 3. Grundeinkommenskongress am 4.11.2008 an der Humboldt Universität Berlin Günter Sölken und Götz Werner (siehe dieses Video
von 3 Min. 45 Sek. - 6 Min. 50 Sek.) folgende Rechnung vor:



Heute Götz-Werner-Modell
Bruttolohnkosten: 3.600 € 750 €
Bruttogehalt: 3.000 € 750 €
Sozialversicherung, Arbeitgeberanteil: 600 € 0 €
Sozialversicherung, Arbeitnehmeranteil: 650 € 0 €
Lohnsteuer (Klasse I): 650 € 0 €
Grundeinkommen vom Staat an den Arbeitgeber: 0 € 1.000 €
Nettogehalt: 1.750 € 1.750 €

Der Workshop, auf dem diese Rechnung vorgetragen wurde, trug den Titel "Wer profitiert wirklich"?
  • Die Arbeitgeber werden nicht nur von Gewinnsteuern befreit, sondern sparen auch rd. 80% der Lohnkosten.
  • Die Arbeitnehmer bekommen keinen Cent mehr als vorher ausbezahlt.
Götz Werner meint, daß die Arbeitnehmer durch niedrigere Preise profitieren, weil die Arbeitgeber die niedrigeren Lohnkosten für Preissenkungen nutzen würden (siehe Punkt 6c).

6. Die Finanzierungszwickmühle: Entweder Unfinanzierbarkeit oder Armuts-Grundeinkommen

Das alte
Grundeinkommen steckt in einer Zwickmühle:
Ist es anständig hoch, ist es ist unfinanzierbar. Ist es finanzierbar, hat es Armutsniveau.


6. a) Finanzierung durch Einkommensteuer

Im Grundeinkommens-
Modell von attac Österreich liegt das BGE bei monatlich 1.167 € für Erwachsene und 933 € für Kinder.  Alle Steuern bleiben erhalten. Einige Steuern werden erhöht, vor allem die Einkommensteuer. Alle, die mehr als monatlich 2.500 € brutto verdienen, sollen alle, die weniger Einkommen haben, finanzieren.
Beim der Einkommensteuer will attac Österreich Einkommen mit "Grenzabgabensätze" von bis zu 90% besteuern. Wie das attac-Video
bei 49:00 min. zeigt, wird jeder zusätzliche Euro des Jahres-Bruttogehalts ab 14.000 € mit 45% versteuert, ab 20.000 € mit 70%, ab 29.000 € mit 80% und ab 49.000 € mit 90%.
Das heißt: Wer eine Gehaltserhöhung von 29.000 € auf 30.000 € erhält, darf 200 € von den zusätzlichen 1.000 € behalten und muß 800 € zur
Grundeinkommens-Finanzierung abgeben.

Zum attac-
Grundeinkommen gehört auch:
  • eine Ressourcensteuer, bei der jedes Unternehmen je nach Ressourcenverbrauch besteuert werden soll
  • eine Bandbreite von 5-50% bei der Mehrwertsteuer von Grundbedarfsgütern bis Luxusgütern
  • die Zahlung von Bußgeldern an den Staat ("Wertschöpfungsabgabe") durch Unternehmen, die Mitarbeiter entlassen (50% des daraus entstehenden Gewinns)
  • die Hoffnung auf Milliardeneinsparungen im Sozialverwaltungsapparat

Offene Fragen:
  1. Führt der Kombilohn (siehe oben, Punkt 5) nicht zu einem Boom im Niedriglohnbereich?
  2. Würde die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch wachsen, weil Unternehmer motiviert würden, auf das Grundeinkommen nur wenig Lohn drauf zu legen?
  3. Sind 1.167 € für Erwachsene nicht viel zu wenig?
  4. Führt das sehr hohe Grundeinkommen für Kinder nicht zum Anreiz für einkommensschwache Bevölkerungskreise, enorm viele Kinder zu bekommen?
  5. Wie verhindert man die Demotivation der Mittelschicht, wenn ein höheres Gehaltsniveau mit "Grenzabgabensätzen" (siehe oben) drastisch besteuert wird? Wer will noch Karriere machen, wenn 80-90% des zusätzlichen Einkommens wegbesteuert würden?
  6. Würden Unternehmer nicht motiviert, ihre Einkommensteuer durch Verlagerung ihrer Firmenzentralen ins Ausland zu minimieren?
  7. Bleibt Arbeit mit diesem Modell im internationalen Vergleich nicht zu teuer?
  8. Bleibt der Anreiz für Unternehmen, Arbeitnehmer wegzurationalisieren, nicht bestehen?
  9. Mit welchem bürokratischen Aufwand, welcher Fairness und welcher Exaktheit erfaßt man den Ressourcenverbrauch u.a. sämtlicher Importeure?
  10. Wie kann ein Unternehmen 50% Strafe zahlen, wenn es Mitarbeiter entlassen muß, weil es sonst in Insolvenz ginge?
  11. Verhindert eine "Wertschöpfungsabgabe" nicht Einstellungen, weil die Unternehmen Bußgelder für Entlassungen vermeiden wollen?
  12. Treibt die "Wertschöpfungsabgabe" nicht die Automation an?
  13. Führt die "Wertschöpfungsabgabe" nicht zur Verlagerung ins Ausland?
  14. Wie genau ermittelt man einen Gewinn durch einen entlassenen Arbeitnehmer (den Lohnkosten und der Arbeitsplatzausstattung steht der Verlust seiner nicht in genauen Geldbeträgen zu berechnenden Wertschöpfung gegenüber)?
  15. Werden Arbeitgeber mit der "Wertschüpfungsabgabe" bestraft, wenn ein Arbeitnehmer von sich aus kündigt?
  16. Wie genau grenzt man Güter des Grundbedarfs und Luxusgüter ab?
  17. Sind hochwertige Produkte wie Autos aufgrund hoher Mehrwertsteuersätze für Geringverdiener außer Reichweite?
  18. Ist es nicht ein Nullsummenspiel, wenn Mitarbeiter in der Sozialverwaltung entlassen werden, dafür aber ein Grundeinkommen erhalten?
  19. Wie löst das Grundeinkommen das Problem des Mismatch?
  20. Wie löst das Grundeinkommen das Problem der Staatsverschuldung?
  21. Was spricht dagegen, daß attac künftig auf das BGE 2.0 setzt?
Attac Österreich hat also den Nachweis erbracht, daß ein Grundeinkommen-Modell finanzier bar ist, das viel zu niedrig ist, die größten Probleme ungelöst läßt und neue schafft. Das gilt auch für das Konsum-finanzierte Grundeinkommen:

6. b) Finanzierung durch Konsumsteuer

Im Götz-Werner-Modell würde das BGE
durch eine Mehrwertsteuer/Umsatzsteuer/Konsumsteuer von 100% finanziert. Wikipedia schreibt dazu:
"
Aufgrund des erforderlichen Mehrwertsteuersatzes in Höhe von 100 % auf die Nettopreise würde dieses Grundeinkommen nur einer Nettokaufkraft von 750,- Euro (50%) entsprechen. Götz Werner glaubt an gleichbleibende Bruttopreise. Er argumentiert, dass sinkende Löhne die Nettopreise entsprechend fallen lassen würden. Dieser Argumentation folgend werde auch das Volkseinkommen sowie die Fähigkeit, ausländische Güter zu konsumieren, deutlich zurückgehen."

Das Götz-Werner-Modell würde also aus Deutschland ein Armenhaus machen, mit sinkenden Löhnen und sinkendem Volkseinkommen. Für wen soll das attraktiv sein? Und warum sollen die Unternehmen ihre Preise in gleichem Maße senken können und wollen (siehe 6.c)? Götz Werner meint, die entfallende Gewinnbesteuerung würde die extrem hohe Mehrwertsteuer ausgleichen.
Rechnen wir einmal nach: Bei der Gewinnbesteuerung (Körperschaftssteuer, etc.) wird
das "zu versteuernde Einkommen" mit 20,5% besteuert
. Das "zu versteuernde Einkommen" der Kapital- und Personengesellschaften lag 2008 bei rd. 48,6 Mrd. €. Die Umsätze aller Kapital- und Personengesellschaften lagen 2008 bei rd. 5.412 Mrd. €. Die Gewinnsteuern machen also 9% vom Umsatz aus. Wie kann der Entfall von 9% Gewinnsteuer eine Mehrwertsteuer von 100% ausgleichen? Gar nicht. Nicht im Entferntesten.

Zu berücksichtigen ist auch die Zusammensetzung der Ausgaben privater Haushalte. Rd. zwei Drittel des Einkommens der meisten Haushalte werden ausgegeben für Miete, Wasser, Strom, Heizung, Müllgebühren, Treibstoff, Porto, öffentliche Verkehrsmittel und andere Dinge, bei denen beim
Grundeinkommen die Preise nicht sinken würden, weil:
  • Monopolanbieter (Wasser, Müllentsorgung, etc.) keinen Wettbewerbsdruck haben
  • Kartelle (Mineralölkonzerne, Strom- und Gasversorger) ihre Preise weitgehend absprechen
  • Importeure so extrem geringe Personalkostenanteile an der Produktpreisen haben, daß das Grundeinkommen keine nennenswerte Rolle spielt
  • Vermieter mit dem Grundeinkommen nicht in Berührung kommen und keinen Grund für Mietsenkungen haben
Wie sogar Befürworter eines sozialeren Wirtschaftssystems das Grundeinkommen kritisieren, lesen Sie hier.

Das
Grundeinkommen in ein Schritt in die richtige Richtung. Man kann damit die Symptome der Mechanismen lindern, die Arbeitslosigkeit verursachen. Wir teilen auch das Ziel, alle Steuern bis auf eine Umsatzsteuer abzuschaffen und den Faktor Arbeit von Kosten zu entlasten. Denn größten Nutzen des Grundeinkommens sehen wir darin, daß es immer mehr Menschen gedanklich für die Lösung des Bandbreitenmodells öffnet.

Allerdings gehen wir mit dem Bandbreitenmodell noch weit über andere Modelle hinaus, indem wir u.a. die Ursachen von  Arbeitslosigkeit und Niedriglöhnen beseitigen.

Das Bandbreitenmodell enthält u.a. auch ein bedingungloses Grundeinkommen, und zwar das Steuersparmodell der "abwesenden Arbeitsplätze" (siehe "Arbeitsplatzprämiengesetz", Punkt 3). Der größte Unterschied zu bisherigen
Grundeinkommensmodellen ist die Tatsache, daß das Geld nicht vom Staat an die Unternehmen, sondern von den Unternehmen an die Arbeitnehmer ausbezahlt wird. Das Bandbreitenmodell kostet den Staat also keinen Cent.

Darüber hinaus steigen Einkommmen und Kaufkraft aller Bürger (vom Kind bis zum Rentner) weit extremer als in anderen Modellen. Ein Vergleich:



Grundeinkommen 2.0
Götz-Werner-Modell
Bruttolohnkosten: = Bruttogehalt 750 €
Bruttogehalt vom Arbeitgeber: mindestens 3.400 € 750 €
Sozialversicherung, Arbeitgeberanteil: 0 € 0 €
Sozialversicherung, Arbeitnehmeranteil: 0 € 0 €
Lohnsteuer (Klasse I): 0 € 0 €
Grundeinkommen vom Staat an den Arbeitgeber: 0 € 1.000 €
Nettogehalt: mindestens 3.400 € 1.750 €

Im Bandbreitenmodell sind selbst asiatische Stundenlöhne von 0,00 Cent und kostenlose Automation keine Bedrohung mehr für Arbeitsplätze. Zudem löst das Bandbreitenmodell mit seinem Steuersystem u.a. das Problem der Staatsverschuldung (siehe Tabelle 3.6.1.).

Seit es das Bandbreitenmodell gibt, ist es der Maßstab für
Grundeinkommen, den es zu übertreffen gilt.


6. c) Kompensation durch sinkende Preise

Jeder Preis enthält in seiner Gesamtkalkulation auch Steuern und Abgaben. Manche glauben daher: W
enn in einem Grundeinkommen die Unternehmer von Sozialabgaben, Steuern etc. entlastet würden, würden sie die Preise in ähnlicher Höhe senken. Dadurch würden die Lebenshaltungskosten sinken, und ein geringeres Grundeinkommen würde durch die sinkenden Preise kompensiert. Per Saldo würde also die Kaufkraft zumindest gleich bleiben.

Wer diese Meinung vertritt, muß folgende Fragen überzeugend beantworten:
  1. Die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung verdient weniger als 1.280 € netto pro Haushalt und Monat. Die Durchschnittsrente liegt bei 830 € (siehe "Armut in Deutschland"). Diese Menschen mit geringen Einkommen wenden 30-50% ihres Einkommens für die Miete auf. Würden Vermieter die Mieten senken, wenn es ein Grundeinkommen gäbe? Warum sollten sie das tun? Und könnten sie das überhaupt, wenn sie durch Mieten die Immobilien refinanzieren müssen?
  2. Rohstoffe und Energieträger wie Heizöl, Gas, Benzin und Diesel werden importiert. Heizkosten, Strom und Mobilität sind ein weiterer großer Posten in den Lebenshaltungkosten der Geringverdiener. Die Preise von Rohstoffen und Energieträgern entstehen im globalen Markt. Warum sollten durch ein Grundeinkommen in Deutschland die weltweiten Rohstoff- und Energiepreise sinken?
  3. Die große Mehrheit der Konsumartikel, die in Deutschland verkauft werden, werden im Ausland produziert. Inwiefern würde ein deutsches Grundeinkommen Hersteller in China, Japan, Korea, Taiwan, USA oder Frankreich dazu bewegen, ihre Preise zu senken?
  4. Preise entstehen grundsätzlich nie durch eine Kostenkalkulation plus fixer Profit X, sondern aus der Frage heraus: "Welchen Preis gibt ein Markt / Land für mein Produkt her?" (siehe FAQ Frage 15). Sind in einem Land Preise möglich, die die Kosten decken und einen attraktiven Profit ermöglichen, wird das Produkt dort angeboten. Sind keine kostendeckenden Preise möglich bzw. ist der Profit unattraktiv, wird das Produkt nicht angeboten. Der Profit wird stets maximiert, und zwar entweder durch den höchsten Preis, den ein Markt hergibt, oder durch den höchsten Marktanteil, der mit einem Preis erreicht werden kann. Warum sollte das bei einem Grundeinkommen anders sein? Warum sollte in einem Grundeinkommen der Profit fix sein, so daß bei sinkenden Kosten die Preise automatisch sinken würden?
Bisher konnten wir nirgends Antworten auf diese Fragen erhalten. So lange das so ist, ist eine Kompensation eines niedrigen Grundeinkommens durch sinkende Preise leider unrealistisch.


Zusammenfassung auf einen Blick:



Grundeinkommen 1.0
(Götz Werner etc. ,
siehe
Wikipedia)
Grundeinkommen 2.0
Nur noch 1 Steuerart ja ja
Konsum finanziert Grundeinkommen ja ja
Zwang zu arbeiten nein nein
Effekt auf Hartz IV ist überflüssig ist überflüssig
Höhe JÄHRLICH 12.000 €
(andere Modelle: 5.000 - 18.000)
ohne Arbeit mindestens 24.000 €
Teilzeitarbeit mindestens 32.000 €
Vollzeitarbeit mindestens 40.000 €
(Details)
Steuerart Mehrwertsteuer Umsatzprovisionen,
ähnlich bereits existierender US Sales Tax
Auszahlung durch Staat Unternehmen
Höhe des Umsatzsteuersatzes 100% lt. Wikipedia durchschnittlich 15%
Effekt auf Preise und Kaufkraft werden wahrscheinlich erheblich steigen,
da erfahrungsgemäß
(siehe vergangene Steuersenkungen)
zu erwarten ist, daß die Unternehmen ihre Kostenvorteile nicht 1:1 an die Kunden weitergeben

unterm Strich wahrscheinlich sinkende Kaufkraft, da Preise stärker als Einkommen steigen
müssen nicht steigen, obwohl die Masse der Menschen eine viel höhere Kaufkraft hat und der Markt mehr her gibt (siehe Frage 15 unter www.bandbreitenmodell.de/faq),
weil "Inflationsbekämpfungsunternehmen" die Preise niedrig halten

unterm Strich extrem steigende Kaufkraft, da Einkommen weit stärker steigen als die Preise
Beseitigung der
Hauptursachen der Arbeitslosigkeit:
Nein. Der Effekt des Grundeinkommens beschränkt sich auf eine Senkung der Lohnkosten.

Dadurch wird der Druck, Arbeit zu rationalisieren und zu automatisieren verringert, aber nicht beseitigt.

Bei der globalen Lohnkostenkonkurrenz ist der Effekt nahe Null, da die Lohnabstände zwischen Deutschland und Niedriglohnländern viel zu hoch ist.
Ja. Mit dem Grundeinkommen 2.0 werden
Geschäfte und Beschäftigung regional verknüpft.

Wer in einem Land mit
Grundeinkommen 2.0 Geschäfte machen will, muß also im gleichen Land entsprechend viele Menschen beschäftigen.

Wer nicht ausreichend viele Menschen beschäftigt, ist durch einen hohen Umsatzsteuersatz nicht wettbewerbsfähig.
Effekt auf Arbeitslosigkeit wird etwas verringert wird völlig beseitigt
Effekt auf Bewerbersituation Arbeitnehmer bewerben sich nach wie vor
um Arbeitsplätze
Arbeitsmarkt dreht sich: Arbeitgeber bewerben sich um alle Menschen als
  • Arbeitnehmer /
  • Gehaltsempfänger /
  • Steuersparmodell
Effekt auf Zeitarbeit wird extrem gefördert, da es sich für Unternehmen rechnet wird völlig beseitigt, da es sich für Unternehmen
nicht rechnet
Effekt auf Niedriglohnsektor wird gefördert, da lt. Götz Werner das Grundeinkommen vom Lohn abgezogen werden soll, wodurch Arbeitnehmer für Arbeitgeber billiger werden wird völlig beseitigt, da Unternehmen nur Mitarbeiter
von der Umsatzsteuer absetzen können, die die hohen Mindestgehälter des
Grundeinkommen 2.0 erhalten.
Effekt auf Arbeitszeiten keiner drastische Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich
Effekt auf Staatsverschuldung keiner Staatsverschuldung wird komplett getilgt
Bücher mit Erläuterungen und Details
Götz Werner: "1.000 Euro für jeden: Freiheit. Gleichheit. Grundeinkommen" Jörg Gastmann: "Die Geldlawine", insbesondere Kapitel 2.3. und 3.4.


bge mai demo dortmund 2011 tag der arbeit
Bei der Mai-Demo 2011 in Dortmund

Fazit: Das Grundeinkommen 1.0 war ein Türöffner in ein neues Denken, das Bandbreitenmodell / BGE 2.0) macht es umsetzbar und geht weiter voran.