Das
Bandbreitenmodell:
Arbeitslosigkeit
durch Automation
Arbeitslosigkeit hat viele Ursachen. Globalisierung, Lohndumping, unzureichende Qualifikation, Altersrassismus, etc. sind die großen Themen – und gegenwärtig sicherlich medienwirksam. Die Hauptursache der Arbeitslosigkeit wird von den etablierten Parteien und den meisten Experten allerdings vollkommen ignoriert: Der langfristig totale Verlust menschlicher Erwerbsarbeit durch Automation.
Ewige Produktivitätssteigerungen sind das Problem - nicht die Lösung
Punkt
1.3.2. des Buches "Die Geldlawine"
erläutert, warum die ewigen
Produktivitätssteigerungen, die die etablierten
Parteien und Experten für die Hauptlösung halten, das
Hauptproblem sind. Die
Automation ist das mächtigste Werkzeug zur endlosen
Wegrationalisierung
menschlicher Arbeitskraft. So mächtig, daß selbst
chinesische 60-Cent-Stundenlöhner
auf Dauer keine Chance haben. Die Zeit arbeitet gegen
sämtliche Arbeitnehmer.
Darauf müssen sich alle Nationen vorbereiten. Den vielleicht
bemerkenswertesten
Beitrag zu diesem Thema schrieb Jeremy Rifkin: „Arbeit des
Menschen ohne
Zukunft“ (SZ 23.12.2003). Ein Interview zum gleichen Thema
finden Sie in der Stuttgarter
Zeitung vom 29.04.2005. Rifkin stellt fest, daß der
Fortschritt an der
Erreichung eines seiner Hauptziele scheitert: menschliche
(körperliche und
geistige) Arbeitskraft und damit verbundene Lohnkosten
überflüssig zu machen.
Wir haben den mächtigsten Gegner, den man sich vorstellen kann – uns selbst. Unser angeborener Drang nach Fortschritt und Profiten führt zwangsläufig zu immer technisierteren Prozessen – nicht nur in der Produktion, sondern auch in Dienstleistung und Handel. Was machbar ist, wird gemacht, sofern es nur profitabler ist. Es stellt sich also die Frage: Wie können wir die Existenz unserer Kinder und Enkel sichern?
Angesichts
der massiven Verlagerung von Industriearbeitsplätzen war
oberflächlich
betrachtet zu erwarten, daß vor allem in China ein
Beschäftigungsboom
ohnegleichen stattfinden müsse. Fakt ist aber, daß
zwar von 1997 bis 2004 in
Deutschland 8% aller Industriejobs verloren gingen, in China (von 1995
bis
2001) jedoch sogar 15% aller Arbeiter auf die Straße gesetzt
wurden. Die alte
Lehrbuchweisheit, daß Produktivitätssteigerung zwar
Jobs vernichtet, aber
gleichzeitig an anderer Stelle neue, anspruchsvollere schafft, ist zwar
qualitativ richtig, aber quantitativ falsch, denn per Saldo werden
weltweit seit
Jahren mehr Arbeitsplätze wegrationalisiert als neue
geschaffen. Während die
weltweite Industrieproduktion von 1995 bis 2002 um 30% stieg, wurden
11% aller
Industriearbeitsplätze vernichtet. Im Jahr 2003 waren 9
Arbeiter so produktiv
wie 10 Arbeiter nur 2 (!) Jahre zuvor. 1991 war für 45% aller
Deutschen
Erwerbsarbeit die wichtigste Einkommensquelle. Bereits 2002 waren es
nur noch
40% (Statistisches Bundesamt, 15.10.2003). 2005 ernährten lt. IAB nur noch rd. 32%
Erwerbstätige die übrigen
68% der Bevölkerung.
Menschen
gegen Maschinen -
auf Dauer chancenlos
Dies
ist
nur eine kleine Momentaufnahme eines nicht zu leugnenden
Abwärtstrends, der
systembedingt erst enden kann, sobald (so gut wie) alle
Arbeitsplätze
automatisiert und wegrationalisiert sind. Technisch werden wir
voraussichtlich
spätestens zum Ende des 21. Jahrhunderts so weit sein,
daß nur noch 2-3% aller
Menschen durch Wartung und Entwicklung Arbeit finden. Der Rest
muß (hochgradig
frustriert) zuschauen. Nehmen wir an, es seien immerhin 5% der
Bevölkerung, die
noch Erwerbsarbeit haben. Wie soll 1 Mensch 19 andere Menschen
ernähren? Mit
2.000% Arbeitslosenversicherung und 2.000% Rentenversicherung? Das
Zeitalter
der Massenbeschäftigung ist Geschichte und befindet sich in
Abwicklung. Kein
Mensch kann von dem existieren, was Maschinen/Roboter/Computer und
Software
kosten. Über Wettbewerbsfähigkeit brauchen wir uns
also keine Gedanken zu
machen. Das ist in die falsche Richtung gedacht.
Roboter
und Software:
Möglichkeiten
heute
Liegt
die Zukunft also in Dienstleistungen? Auch hier muß man sich
von Illusionen
verabschieden. Roboter mit übermenschlicher Feinmotorik,
gigantischem
Speicherplatz und übermenschlicher Intelligenz werden jede
noch so komplizierte
Art von Dienstleistung erbringen können. Roboter
„Asimo“ von Honda begleitete
Japans Premierminister Koizumi am 22.08.2003 auf seinen Staatsbesuch
nach Prag,
servierte Getränke und sprach dabei fließend
tschechisch. Die heute noch
belustigt zur Kenntnis genommenen humanoiden
Roboter
wie „Qrio“
von Sony oder
„Hoap-2“ von Fujitsu sind Prototypen der Zukunft.
Qrio war der erste Roboter,
der rennen konnte, also beim Laufen keinen permanenten Bodenkontakt
mehr
benötigte. Qrio kann Stimmen und Gesichter unterscheiden,
räumlich hören und
sehen, zehntausende Worte per Spracherkennung erkennen und sinnvoll
antworten.
Er kann Treppen steigen, über kippende und unebene
Flächen laufen, Bälle
schießen und werfen. Wird er geschubst, versucht er wie ein
Mensch, den Sturz
mit reflexartiger Geschwindigkeit durch Ausgleichsbewegungen zu
verhindern. Ist
der Schubs zu stark, rollt er sich schützend ab, um dann
wieder aufzustehen.
Scheinbar banal, aber feinmotorisch ein gigantischer Fortschritt. Weil
das –
vor allem bedingt durch einen noch zu hohen Preis -
noch nicht zu
einem kommerziellen Erfolg genügte, beschloß Sony im
Januar 2006, Qrio durch
Nachfolgemodelle zu ersetzen, die vor allem eine wesentlich
leistungsfähigere
künstliche Intelligenz erhalten. Auch auf dem Gebiet der
Prothetik ist der
Fortschritt beeindruckend. Der Light Weight Robot II – eine
Nachbildung des
menschlichen Unterarms, entwickelt vom Deutschen Zentrum für
Luft- und
Raumfahrt – kann seine Fingergelenke wie ein Mensch bewegen
und sogar Tennisbälle
aus der Luft fangen. Und dies alles ist nur ein kleiner Ausschnitt der
technischen Möglichkeiten der Gegenwart.
Die Welt vor 40 Jahren - und in 40 Jahren
Erinnern
Sie sich an den Stand der Technik vor 30-40 Jahren?
Computer, die große
Räume füllten, waren das Maß aller Dinge.
So viel Rechenleistung übertrifft
heute ein Taschenrechner. Es gab nur Schwarzweißfernsehen. 3
TV-Programme mit
Programmansagern. Keine PCs. Kein Internet-Versandhandel. Keine
Textverarbeitungsprogramme. Keine Datenbanken. Keine
Warenwirtschaftssoftware.
Keine automatisierten Hochregallager. Keine Selbstbedienung an
Tankstellen.
Keine Waschstraßen. Keine schwimmenden Fischfangfabriken.
Keine Lackierroboter.
Keine Call Center. Keine Geldautomaten. Kein Home Banking. Keine
Scannerkassen.
Keine Schweißroboter. Keine Brotbackautomaten. Keine
Fahrkartenautomaten. Keine
Pfandrücknahmeautomaten. Keine Roboter, die (wie heute schon
in Japan, siehe
unten) vollautomatisch Häuser bauen, etc. Und was
defekt/verschlissen war,
wurde repariert statt weggeworfen.
Das
ist
alles bequem und erfreulich. Niemand will das Rad der Zeit
zurückdrehen und all
die automatisierten Dinge wieder von Hand erledigen müssen.
Aber was geschieht
dabei mit dem Arbeitsvolumen, das nötig wäre, um
allen Menschen Arbeitsplätze
zu bieten? Es schwindet. Und es schwindet immer weiter.
Stellen
Sie sich nun die Arbeitswelt in 30-40 Jahren vor,
wenn Computer,
Mechanik, Sensorik, Software, künstliche Intelligenz, etc.
weiterhin solche
Fortschritte machen. Es ist nur eine Frage der
Zeit. Maschinen werden
immer komplexere Vorgänge bewältigen und
selbstverständlich auch
Dienstleistungen erbringen können, die ihnen heute nur
Fachleute zutrauen.
Setzen Sie doch mal eine Grenze, ab der es heißt: „Das
wird ein Roboter niemals
können.“
Reproduktion? Im Mai 2005 stellte die
Cornell University eine einfache
Maschine vor, die eine Kopie seiner selbst nachbauen kann. Die
Reproduktion von
Maschinen ist technisch also bereits machbar. Motorrad fahren?
Fühlen? Denken?
Kreativität? Kunst? Alte Menschen pflegen? Ist alles schon
längst in der Entwicklung.
Roboter „Leonardo“ vom Media Lab des Massachusetts
Institute for Technology
(MIT) kann menschliche Emotionen nicht nur erkennen, sondern sogar
eigenständig
die Illusion menschlichen Verhaltens erzeugen. Bei seiner
Lernfähigkeit
unterstützt „Leonardo“ eine
Programmierung, die auf Kinderpsychologie beruht.
Selbst seine Entwickler reagieren – obwohl sie die Illusion
selbst geschaffen
haben – auf „Leonardo“, als ob er ein
menschliches Wesen wäre. Robotikprofessor
Hiroshi Ishiguro von der Universität Osaka stellte 2005 die
Androidenstudie
„Repliee Q1“ vor, deren täuschend echtes
Gesicht seine Mimik auf Lid- und
Lippenbewegungen beschränken muß, weil es auf
Menschen zu unheimlich wirkt,
„wenn ein Roboter zu echt aussieht“. Technisch
möglich ist diese Illusion
jedenfalls weitgehend (Philip Wolff: „Die schöne
Roboterin“, SZ 29.07.2005).
Die japanische Firma Kokoro stellte auf der Expo 2005 in Japan
„Actriods“ vor –
androide Roboter, die sich u.a. mit 40.000 Phrasen unterhalten
können (und
damit bereits viele Menschen übertreffen). Das besondere an
Actroids: Sie sehen
Menschen so ähnlich, daß man den Unterschied kaum
bemerkt (Philip Wolff:
„Willkommen bei den unechten Fräuleins“,
SZ 24.03.2005). Fernziele sind
Androiden wie „David“ aus Steven
Spielberg’s Film „A.I.“ (Artificial
Intelligence). Wie in dieser modernen
„Pinocchio“-Adaption werden Roboter zum
Krankenpfleger-, Haustier-, Kinder- und sogar Partnerersatz.
Anspruchslos,
stets freundlich und sympathisch, immer motiviert, ohne Freizeit,
niemals müde,
fast beliebig kräftig, an menschliche
„Herren“ entweder individuell oder
universell angepaßt, lernfähig, je nach Bedarf
gering bis hoch gebildet,
äußerlich attraktiv/niedlich, und, und, und. Der
Film „I, Robot“ nimmt
ebenfalls (wenn auch recht unrealistisch visualisiert) konzeptionell
vieles
vorweg, was früher oder später zwangsläufig
kommen muß.
Forschung
durch Computer-Roboter
Sobald
(nicht notwendigerweise androide) computerisierte Roboter menschliche
Leistungen kostengünstiger erbringen, ist
auch der Dienstleistungssektor
menschenfrei. Das glauben Sie nicht?
Nehmen wir etwas
möglichst
Anspruchsvolles. Forschung gilt als letzte Bastion menschlicher
Arbeitskraft.
Aber selbst Forscher sind ersetzbar, Schritt für Schritt. Was
benötigt man
dazu? Der Roboter müsste wissenschaftlich arbeiten
können. Er müsste
beobachten, Informationen verarbeiten, Hypothesen aufstellen,
Experimente
durchführen und Ergebnisse auswerten. Das halten Sie
für Science Fiction? Auch
da muß ich Sie im wahrsten Sinne des Wortes
enttäuschen. So weit ist die
University of Wales bereits (Michael Lang: „Das
Robolabor“, SZ 24.02.2004 sowie
Nature, Bd. 427/2004, S. 247). Ein mit Computern vernetzter
Pipettierroboter
ist in der Lage, sich auf Basis gespeicherter biochemischer
Informationen
Strategien „auszudenken“, um Enzyme zu
identifizieren, die an einem bestimmten
Stoffwechsel aromatischer Aminosäuren beteiligt sind. Also
wahrlich kein
Kinderkram. Der Forschungsroboter – der ja erst ein Prototyp
ist – „meisterte
die Aufgabe genauso gut und schnell wie die besten Wissenschaftler
einer
Vergleichsgruppe“.
Man
kombiniere den walisischen Forschungsroboter z.B. mit der Software
„Iridescent“, die mühelos
sämtliche 13 Mio. wissenschaftlichen Artikel aus
weltweit über 4.600 Fachzeitschriften sichten und ein
Beziehungsmuster
herstellen kann. Für Menschen ist das weder zeitlich machbar
noch gezielt und
vollständig im Gehirn speicherbar – geschweigedenn
zu verarbeiten. Und
schließlich füge man noch „Olivanova Model
Execution“ (OME) hinzu, eine
Software, die selbständig (!) Computerprogramme schreiben kann
(entwickelt von
der Polytechnischen Universität Valencia). OME kann (lt.
Michael Lang) eine
beliebige Problemstellung ohne menschliche Hilfe in ein
lauffähiges Programm
umsetzen. Joachim Fischer vom Softwarevertreiber „Care
Deutschland“ meint, daß
OME nicht nur die Programmierarbeit eines Jahres auf einen Monat
reduzieren
kann, sondern zusätzlich die Zahl der Programmierfehler auf
ein Fünfzehntel
senkt. Damit sind auch die billigsten indischen Programmierer
früher oder
später arbeitslos.
Technisch
wird alles machbar
- die Frage ist
nur, wann
Und
wie
geht es weiter? Man füge noch eine künstliche
Intelligenz bzw. neuronale
Netze hinzu, Null Urlaubsanspruch, Null Pausen, Null Gehalt,
Null Bedarf an
Arbeitssicherheit, Null Ermüdung, usw. Jedem intelligenten
Menschen sollte klar
sein, daß es keine allzu ferne Zukunft sein wird, bis
Computerroboter jeden
Arbeitsplatz verdrängen können.
Kleiner
Vorgeschmack: www.kuka.com/germany/de/solutions/solutions_search/
Nach
heutigem Stand der Technik könnten lt. Prof. Thomas Bock und
Dipl.-Ing Klaus
Kreupl von der TU München „Roboter 80% der Arbeiten
übernehmen, die beim Ausbau
eines Gebäudes anfallen“. Das Bauhandwerk wird durch
eine Bauindustrie ersetzt
(Stefan Schmitt: „Heinzelmännchen auf
Ketten“, SZ 03.12.2002). Japanische
Baukonzerne sind hier am weitesten und verdrängen mit teuren,
aber effizienten
Baurobotern sogar philippinische und malaysische Billigarbeiter.
Computergesteuerte Kräne und Schweißroboter bauen
schon seit Anfang der
90er-Jahre Wolkenkratzer incl. Innenausbau. Immer mehr japanische
Einfamilienhäuser werden bereits heute in fast
vollständig automatisierten
Fabriken je nach Kundenwunsch aus 350.000 Elementen montiert, auf
Sattelschlepper verladen und auf dem Kundengrundstück nur noch
aufgestellt.
Während 2004 in Deutschland „nur“ 110
Industrieroboter auf 1.000 Beschäftigte
kamen, waren es in Japan 160. Wer die Trends für die Zukunft
der Arbeitswelt
sucht, sollte sich in Japan umschauen.
Heute
bereits vorhandene Rasenmäher-, Bodenreinigungs- und
Wachroboter sind nur ein
Anfang. Handwerksroboter werden eigenständig Fliesen legen,
Dachrinnen
austauschen, Kurzschlüsse identifizieren/beseitigen und
verstopfte Leitungen
reinigen. Sämtliche Reparaturarbeiten sind
vollständig automatisierbar.
Schlosserroboter, Malerroboter, Dachdeckerroboter etc. werden mittels
Spracherkennungssystem den Wunsch des Kunden erfassen,
eigenständig technische
Probleme analysieren, Werkzeuge und Material beschaffen, die Arbeiten
mit
übermenschlicher Geschicklichkeit und Geschwindigkeit
vollziehen und
anschließend den Rechnungsbetrag vom Konto des Kunden
abbuchen. Das gesamte
Handwerk wird voll automatisiert. Was bleibt? Schreibtischjobs? Auch
hier sind
langfristig mindestens 95% durch immer intelligentere Software
ersetzbar.
Computer werden kaufmännische Entscheidungen treffen. Die
heute bereits
vorhandenen Business-to-Business-Plattformen befinden sich bereits auf
dem Weg
zur Vollautomation von Einkauf, Verkauf und Logistik. Ohne menschlichen
Kontakt, ohne Korruptionsanfälligkeit, immer informiert
über das günstigste
Preis-/Leistungsverhältnis und das optimale
Dispositionstiming. Damit sind
kaufmännische Mitarbeiter überflüssig.
Computerroboter werden sämtliche
Produkte entwickeln, verkaufen und reparieren können. Sie
werden Altenpfleger
ersetzen, Taxi fahren, Haare schneiden - einfach alles.
Kostengünstiger,
schneller und präziser. Es gibt keinen Arbeitsplatz mehr, bei
dem ein Mensch
auch nur ansatzweise konkurrenzfähig ist. Wahrscheinlich
werden interaktive
„Actroids“ (pädagogisch und fachlich
optimal geschult) auch Lehrer ersetzen.
Fragt sich nur, wozu Schüler noch irgendetwas lernen sollen.
Die
Kosten entscheiden
Das Automatisierungsproblem läßt sich auf eine einzige Frage reduzieren:
Ab
wann ist das
technisch Machbare kostengünstiger als menschliche
Arbeitskraft?
Als Referenzwert für die Kostenfrage dient das Bruttogehalt incl. arbeitgeberseitiger Lohnnebenkosten eines Menschen. Unterstellen wir (zu Ungunsten der Automation) den wahrscheinlichsten Fall, daß die Weltwirtschaft den eingeschlagenen Weg des globalen Lohnkostenwettkampfs weiter geht. Wo landen dann die Gesamtlohnkosten eines Arbeitnehmers?
Angenommen, ein deutscher Angestellter/Arbeiter/Handwerker/Verkäufer/etc. verdient künftig jährlich nur noch 10.000 € brutto. Dann kostet er seinen Arbeitgeber jährlich 12.130 € - also immer noch rd. das 3-fache eines ebenso qualifizierten/produktiven Osteuropäers und mehr als das 15-fache eines Asiaten. Von 12.130 € Jahresbruttokosten kommen beim Arbeitnehmer im heutigen System abzüglich Lohnnebenkosten und Steuern aber (lt. Gehaltsrechner der SZ) monatlich nur 656 € an. Davon kann man nicht existieren, geschweigedenn eine Familie ernähren. Bei einem Roboter sieht die Rechnung anders aus. Angenommen, ein Roboter, der technisch in der Lage ist, einen menschlichen Arbeitnehmer zu ersetzen, kostet soviel wie ein moderner Mittelklasse-PKW, also 40.000 €. Hinzu kommen jährlich 4.000 € Betriebskosten. Bei einer Nutzungsdauer von nur 5 Jahren liegen die Jahresgesamtkosten des Roboters bereits unter dem o.g. 10.000 €-Armuts-Arbeitnehmer. Für den Arbeitgeber, der unter ökonomischen Sachzwängen steht, stellt sich nun die Frage: „Mensch oder Maschine“? In Anbetracht der weiteren Kosten- und Qualitätsvorteile des Roboters (24-Stunden-Arbeitstag, Null Urlaub, kein Krankheitsausfall, kein Kündigungsschutz, keine Ermüdung, weit höhere Präzision, weit geringere Fehlerquote, etc.) hat der Mensch keine Chance. Verdient ein Mensch nicht (wie im obigen Beispiel) 10.000 €, sondern (wie der bundesdeutsche Durchschnittsangestellte 2004) jährlich 34.020 € brutto (= monatlich 1.655 € netto), kostet er seinen Arbeitgeber incl. Lohnnebenkosten jährlich 41.266 €. Ein Roboter, der einen heutigen Durchschnittsverdiener ersetzt, ist dann bereits (bei 5-jähriger Nutzung und jährlich 4.000 € Betriebskosten) für einen Kaufpreis von 186.332 € wirtschaftlicher.
Rechnet
man
die sonstigen Kostenvorteile des Roboters mit ein, ist heute
ein Roboter für
250.000-300.000 € für den Arbeitgeber
kostengünstiger als die meisten
menschlichen Arbeitnehmer. Die Nachfrage seitens der
Arbeitgeber ist heute
also bereits recht groß.
Welche Technik kann die Automationsindustrie in 30 Jahren für 250.000 € anbieten? Zweifellos weit mehr als heutige Modelle/Prototypen andeuten. Der Druck der Automation auf Arbeitsplätze wird noch zwingender, wenn man den Markt aus Sicht der Automationsindustrie betrachtet. Die 2004 noch vorhandenen 23,7 Mio. Vollzeitstellen, dividiert durch 5 Jahre Roboter-Lebensdauer und multipliziert mit 250.000 € pro Roboter bedeuten einen Umsatz von 1.185.000.000.000 (1,185 Billionen) €. Und zwar jährlich. Und zwar nur in Deutschland. Der Weltmarkt für die menschenersetzende Automation liegt jährlich bei weit über 10 Billionen €. Die Automationsindustrie hat folglich eine kaum zu überbietende Motivation, jeden einzelnen menschlichen Arbeitsplatz so schnell wie möglich wegzuautomatisieren. Dabei zerstört sie allerdings die Kaufkraft der Endkunden vollständig – und indirekt sich selbst. Die drei konkreten Fragen lauten dabei:
|
1. |
Ab wann ist der Stand der Technik so weit? |
|
2. |
Ab wann kostet ein dem menschlichen Arbeitnehmer ökonomisch überlegener Roboter 250.000 € oder gar 40.000 €? |
|
3. |
Wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem unsere Wirtschaft und Gesellschaft zusammen- brechen, weil zu viele Endkunden pleite sind und Maschinen keine Maschinen kaufen? |
Der totale Kollaps der Kaufkraft
Was
dann? Antworten die etablierten Parteien mit 1-Cent-Jobs und
schuldenfinanzierten staatlichen Lohnzuschüssen? Die
Vollautomation wird nur
deshalb nicht kommen, weil die Automationsindustrie (quasi als Spitze
der
ökonomischen Nahrungskette) vorher ihre eigene Grundlage
zerstört – die
Kaufkraft der Arbeitnehmer/Endkunden. Kaufkraft ist die Grundlage der
„Nahrungskette“, und Maschinen kaufen nichts.
Ein
Beispiel: Der Industrieroboter-Hersteller IWKA/KUKA (http://www.kuka.com/germany/de/products/)
lebt vor allem von Aufträgen der Automobilindustrie. Die
Automobilindustrie
erzielt jedoch aufgrund der sinkenden Kaufkraft der
Arbeitnehmer/Endkunden
immer weniger Margen. Für Investitionen in neue und
rationellere Roboter fehlen
die Umsätze/Gewinne. Infolgedessen kann die
Automationsindustrie weniger neue
Roboter verkaufen. Die sinkende Kaufkraft der potentiellen
Autokäufer schlug im
ersten Halbjahr 2005 mit 48% Umsatzrückgang auf die
Robotersparte von IWKA/KUKA
durch.
Die Lösung des Problems kann also auch für die
Automationsindustrie nur
in der Kaufkraftsteigerung der Endkunden liegen.
Die Punkte 2.2.3. und
3.4.
zeigen, wie man gleichzeitig Vollbeschäftigung und
Vollautomation erreichen und
finanzieren kann. Punkt 2.3. erläutert, unter welchen
Umständen Vollautomation
sinnvoll ist.
(Auszug aus
dem Buch
-
"Die Geldlawine" von Jörg Gastmann - Nummerierungen
im Text
beziehen sich auf Kapitel des Buches)
